Atomenergie ist keine Alternative?

In den vergangenen Monaten scheint die Atomenergie eine Renaissance zu erleben – der Spiegel die Zeit und andere Medien berichteten bereits über internationale Pläne zum Bau von Atomkraftwerken im Zeichen des Klimaschutzes und der Versorgungssicherheit. Wer jedoch ernsthaft eine Zukunft anstrebt, die von einer wirklich nachhaltigen Energieversorgung geprägt ist, kann solche Pläne nur ablehnen. Zu dieser immer größer werdenden Gruppe von Menschen gehöre auch ich – und ich bin was Atomenergie angeht kein Laie: meine berufliche Laufbahn startete in einem Atomkraftwerk.

Was spricht dafür?

Für Atomkraftwerke spricht, dass sie große Mengen Energie erzeugen können und das – was die reine Erzeugung angeht – frei von CO2-Emissionen. Bezieht man hingegen auch die Produktion des Brennstoffs Uran mit ein, sieht die Rechnung schon anders aus. Denn seine Gewinnung erzeugt weiterhin CO2. Dennoch: die Atomenergie ist im Vergleich zum wichtigen Energieträger Kohle klimaschonender.

Und was dagegen?

Hier setzt eine wesentliche Argumentationskette der Befürworter an: Atomenergie könne eine notwendige Brücke bauen, um den wachsenden globalen Energiebedarf klimaverträglich zu decken, bis dann irgendwann in der Zukunft ausreichend erneuerbare Energie verfügbar wäre. Doch das ist ein Trugschluss und der Versuch, die Energieerzeugung weiter in der Hand einiger weniger großer (staatlicher) Konzerne zu konzentrieren, denn nur sie können Atomkraftwerke errichten und betreiben.

Der Grund: Atomkraftwerke sind höchst unflexible Energieerzeuger und stehen daher der Energiewende im Weg. Die dezentrale Stromerzeugung aus natürlichen Ressourcen wie Wind und Sonne schwankt. Deswegen müssen die übrigen Energieerzeuger – wie etwa konventionelle Kraftwerke – in der Lage sein, sich flexibel an diese Schwankungen anzupassen. Genau das können aber Atomkraftwerke nicht. Stattdessen müssen sie auch dann mit voller Leistung weiterlaufen, wenn eigentlich genug Wind- und Solarstrom verfügbar ist. Experten sprechen hier davon, dass sie dadurch das Stromnetz „verstopfen“.

Atomenergie als Brückentechnologie?

Deswegen sind Atomkraftwerke keine geeignete „Brückentechnologie“ auf dem Weg zu einer erneuerbaren Energiewirtschaft, sondern ein Hindernis.

Darüber hinaus stellen Atomkraftwerke ein Risiko für das gesamte Leben in ihrem Umfeld dar. Die Behauptung der Betreiber, Atomenergie sei kontrollierbar und sicher, wird offenbar gerade von den Experten nicht geteilt, die sich professionell mit Risiken beschäftigen: den Versicherern. So gibt es in Deutschland bis heute kein Atomkraftwerk, das gegen Unfälle versichert ist. Gleichzeitig reichen die Garantien der Betreiber bei weitem nicht aus, um die Folgekosten eines möglichen Unfalls abzusichern.

 Die Folge: sollte es in Deutschland tatsächlich einen ernstzunehmenden Atomunfall geben, muss die Gesellschaft möglicherweise die Folgekosten in Billionenhöhe tragen. Eine gute Zusammenfassung dieser Problematik lieferte beispielsweise das Manager Magazin bereits im Jahr 2011.