Solar-Inselanlage in unseren Breiten: Sinnvoll oder nicht?

Bei Photovoltaik-Anlagen kann man prinzipiell zwischen zwei Typen unterscheiden:

  •     Den sogenannten netzgekoppelten Solaranlagen und den
  •     Solar-Inselanlagen.

Netzgekoppelte Anlagen sind in Deutschland wesentlich häufiger als Solar-Inselanlagen. Wie es ihr Name schon sagt, speisen sie den erzeugten Solarstrom in das öffentliche Stromnetz ein. Dabei werden die Solarmodule nicht direkt ans Netz angeschlossen, sondern über einen Wechselrichter. Der Wechselrichter wandelt den solaren Gleichstrom aus den Modulen in Wechselstrom um, wobei moderne Wechselrichter noch viele andere Funktionen unterstützen: sie optimieren beispielsweise die Leistung der Anlage oder ermöglichen ihre Überwachung.

Eine reine Solar-Inselanlage ist dagegen nicht an das öffentliche Stromnetz angeschlossen (daher der Begriff „Insel“). Sie versorgt lediglich die Geräte im Haus oder (bei uns seltener anzutreffen) in einem Inselnetz, an das verschiedene Gebäude oder andere Verbraucher angeschlossen sind.

Meist lädt die Anlage dabei eine Batterie, mit deren Hilfe wiederum die Verbraucher versorgt werden. Der Gleichstrom aus der Batterie wird wiederum mit einem Inselwechselrichter in Wechselstrom umgewandelt, den herkömmliche Geräte im Haus nutzen können. Natürlich gibt es auch Gleichstrom-Geräte, das ist in unseren Breiten aber eher ein Sonderfall, den wir hier ausklammern – sie werden häufig in Regionen eingesetzt, in denen Solar-Inselanlagen dominieren, z.B. weil das Stromnetz nur schwach ausgebaut ist.

Netzanschluss sorgt für Komfort und Sicherheit

Reine Solar-Inselanlagen auf Häusern ohne Netzanschluss haben den Nachteil, dass kein Strom mehr fließt, wenn die Batterien leer sind. Ein Haus mit Netzanschluss und Solaranlage verbindet dagegen die Vorteile beider Energieversorgungen: Scheint die Sonne, kann der günstige und klimafreundliche Solarstrom genutzt werden. Wenn der Energiebedarf im Haus allerdings höher ist als die Leistung der Solaranlage und des Speichers, kommt die Differenz aus dem Netz. Eigenheime mit Speicher erreichen so Autarkiegrade von bis zu 80 Prozent – aus dem öffentlichen Stromnetz beziehen sie nur 20 Prozent ihres Strombedarfs.

Solar-Inselanlage für volle Autarkie

Dennoch kann eine reine Solar-Inselanlage in unseren Breiten dann sinnvoll sein, wenn du vollkommen autark leben möchtest oder der nächste Netzanschluss weit weg ist. In diesem Fall musst du die Technik im Haus und dein Verbrauchsverhalten allerdings so anpassen, dass die Speicherkapazität stets ausreicht, um alle wichtigen Verbraucher zu versorgen.

 Fähigkeit zum Inselbetrieb für Notstrom-Funktion

Weshalb aber werben manche Händler und Speicheranbieter mit der Fähigkeit ihrer Wechselrichter und Speicher, einen „Inselbetrieb“ zu ermöglichen, selbst wenn sie nicht für eine reine Solar-Inselanlage ausgelegt sind? Der Grund wird deutlich, wenn man sich die Folgen einer Netzstörung oder eines Stromausfalls vor Augen hält: Eine Solaranlage mit Stromspeicher, die nicht zu einem Inselbetrieb in der Lage ist, kann in so einem Fall maximal einige ausgewählte Steckdosen weiter mit Strom versorgen. Ein dreiphasiger Betrieb, bei dem alle Verbraucher im Haus weiter funktionieren, ist nicht möglich.

Ist die Anlage dagegen in der Lage, einen Inselbetrieb aufrecht zu erhalten, wird das gesamte Haus zur „selbstversorgenden Insel“ – zumindest, solange die Kapazität des Speichers ausreicht. Die Solaranlage bildet damit eine Mischung aus einer Solar-Inselanlage und einer klassischen netzgekoppelten Photovoltaik-Anlage. Sie verbindet damit verschiedene Vorteile beider Anlagentypen.