Steht Heidelberg vor einem Wallbox-Boom?

Die EU-Kommission prescht in Sachen E-Mobility vor: ab 2035 soll es ein Verkaufsverbot für Neuwagen mit Verbrennungsmotor geben. Wird das so umgesetzt, wäre es ein großer Schritt für den Klimaschutz. Denn das Verkehrsaufkommen nimmt zu und in seinem Schlepptau auch die Treibhausgasemissionen: Laut Umweltbundesamt hat der Verkehrssektor im Jahr 2019 600.000 Tonnen mehr CO2 ausgestoßen als noch 1990. Das geplante E-Mobility-Wachstum bringt aber auch neue Herausforderungen mit sich: Mehr Elektroautos brauchen auch mehr Lademöglichkeiten und diese sind noch nicht flächendeckend vorhanden – so auch im Raum Heidelberg.

Politik fördert Ausbau der Ladeinfrastruktur

Um die Anzahl der Ladepunkte schnell auszubauen, wurden verschiedene politische Initiativen gestartet. Beispielsweise hat der Bund allein im Rahmen des 6. Förderaufrufs zum Förderprogramm Ladeinfrastruktur 500 Millionen Euro für deren Ausbau bereitgestellt.

Mieter und Wohnungseigentümer sollen speziell vom Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz (GEIG) und dem neuen Wohnungseigentumsmodernisierungsgesetz (WEMoG)  profititieren. Deren Vorgaben sorgen dafür, dass im mehrgeschossigen Wohnungsbau mehr Wallboxen installiert werden können – auch in der Region Heidelberg.

Doch selbst wenn genug Geld für den Ausbau von Ladestationen zur Verfügung steht und die gesetzlichen Rahmenbedingungen passen: Gerade in Ballungsgebieten könnten begrenzte Netzkapazitäten den Ausbau der Ladeinfrastruktur verlangsamen. Der Grund: Netzanschlüsse von Wohngebäuden sind meist nicht darauf ausgelegt, zahlreiche Ladepunkte zu versorgen.

Zwar kann moderne Elektronik (sogenannte „Lastmanagementsysteme“) dafür sorgen, dass Wallboxen und Ladesäulen einen Netzanschluss optimal ausnutzen, doch auch die beste Elektronik kann eine zu geringe Anschlussleistung in einem Haus oder einer Straße nicht vollständig kompensieren. Sie verhindert, dass es zu Überlastungen kommt, der Preis kann aber ein geringerer Ladestrom pro Fahrzeug sein und damit eine längere Ladezeit.

Insgesamt fahren Elektroauto-Nutzerinnen und Nutzer also dann am besten, wenn sie sich nicht nur auf öffentliche Lademöglichkeiten verlassen, sondern auch in die eigene Wallbox investieren. Deswegen gehe ich davon aus, dass Wallboxen auch in Heidelberg bald zum Standard im Eigenheim und privaten Garagen gehören werden.

Autarkie, Klimaschutz und Entlastung für die Netze

Die meisten Elektroauto-Nutzer laden nach aktuellen Statistiken bereits vor allem an der heimischen Wallbox. Und das dürfe sich auch in Zukunft nicht ändern: In der Befragung „Meinungsbild E-Mobilität“ des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) gaben 2/3 der Befragten an, dass sie vor allem zuhause laden möchten.

Noch einen Schritt weiter gehen E-Mobility-Fans, die ihre Wallbox mit einer Solaranlage und möglichst auch einem Energiespeicher kombinieren. In diesem Fall liefert die Anlage nicht nur den klimaneutralen Strom für das eigene Fahrzeug, sie entlastet auch das Stromnetz: statt aus einem ferngelegenen Kraftwerk kommt die Energie dann nämlich direkt vom eigenen Dach. Und das bedeutet auch für Menschen in Heidelberg: mehr Autarkie für das Eigenheim.

Mehr Informationen zur Autarkie im Eigenheim findest du in unserem Wegweiser.